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Unruhe am Abend bei Demenz: Was wirklich hilft

Von Vessela Tentchev · Stand: November 2026

Tagsüber geht es noch ganz gut. Doch sobald es draußen dämmert, wird Ihre Mutter unruhig, läuft umher, sucht etwas oder möchte „nach Hause“, obwohl sie zu Hause ist. Viele Familien kennen diese Abende. Gerade im Winter, wenn es früh dunkel wird, nimmt die Unruhe oft zu. Die gute Nachricht: Mit ein paar Veränderungen im Alltag lässt sich viel erreichen.

Warum werden Menschen mit Demenz abends unruhig?

Fachleute sprechen vom Sundowning, auf Deutsch auch Abendunruhe oder Sonnenuntergangssyndrom: Am späten Nachmittag und Abend nehmen Verwirrtheit, Angst und Unruhe zu.

Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Häufig kommen mehrere Auslöser zusammen:

•Müdigkeit und Erschöpfung nach einem langen Tag

•Dämmerung, Schatten und schlechtes Licht, die verunsichern

•Hunger, Durst oder der Gang zur Toilette, der nicht ausgesprochen wird

•Schmerzen, die der Mensch nicht mehr in Worte fassen kann

•Langeweile am Nachmittag oder zu viele Reize, etwa Fernseher und mehrere Stimmen gleichzeitig

•Ein unregelmäßiger Tagesablauf oder ungewohnte Umgebung

Am häufigsten zeigt sich die Abendunruhe im mittleren Stadium einer Demenz.

Was hilft gegen die Unruhe am Abend?

Am meisten hilft ein ruhiger, gleichmäßiger Tag. Die Unruhe am Abend beginnt oft schon am Vormittag.

•Fester Tagesrhythmus: Aufstehen, Mahlzeiten und Schlafenszeit möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit.

•Tageslicht und Bewegung am Vormittag: ein Spaziergang, Zeit am Fenster oder im Garten. Arzttermine und anstrengende Dinge am besten vormittags einplanen.

•Eine kurze Ruhepause am Nachmittag, aber kein langer Mittagsschlaf, der die Nacht stört.

•Früh Licht machen: Schalten Sie das Licht ein, bevor es dämmert, und vermeiden Sie dunkle Ecken. Ein kleines Nachtlicht gibt nachts Orientierung.

•Kleine Mahlzeiten statt eines großen Abendessens, und über den Tag verteilt genug trinken.

•Ab Mittag möglichst keinen Kaffee und keinen Alkohol.

•Weniger Reize am Abend: Fernseher leiser oder aus, Besuch lieber am Vormittag.

•Vertrautes schenkt Sicherheit: ruhige Lieblingsmusik, ein altes Fotoalbum, eine Decke oder ein Kissen von früher.

Beobachten Sie ein bis zwei Wochen lang, wann die Unruhe beginnt und was davor passiert ist. Oft erkennen Sie so den persönlichen Auslöser.

Was tun, wenn meine Mutter abends nach Hause will?

Nicht widersprechen, sondern auf das Gefühl eingehen. „Nach Hause“ bedeutet oft: Ich fühle mich unsicher und suche Geborgenheit.

•Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie langsam, in kurzen Sätzen.

•Statt „Du bist doch zu Hause!“ lieber: „Erzähl mir von deinem Zuhause. Wie sah es dort aus?“

•Bieten Sie etwas an: einen Tee, einen kurzen Gang durch die Wohnung, gemeinsam Wäsche falten.

•Halten Sie Ihren Angehörigen nicht fest. Wird die Situation angespannt, gehen Sie kurz aus dem Raum und versuchen es nach ein paar Minuten noch einmal.

Mehr dazu, wie Gespräche bei Demenz gelingen, lesen Sie in unserem Ratgeber Wenn Eltern nicht mehr allein zurechtkommen.

Was hilft, wenn Menschen mit Demenz nachts unruhig sind?

Ein guter Tag ist die beste Vorbereitung auf eine ruhige Nacht.

Ein gleichbleibendes Abendritual hilft: Waschen, Umziehen, ein vertrautes Lied, Licht gedimmt. Ein Nachtlicht zur Toilette und gesicherte Stolperfallen geben Sicherheit, falls Ihr Angehöriger nachts aufsteht. Ist der Tag-Nacht-Rhythmus dauerhaft gestört, sprechen Sie mit dem Hausarzt. Welche Unterstützung in der Nacht passt, besprechen wir gern persönlich mit Ihnen.

Wann sollte ich mit dem Arzt sprechen?

Immer dann, wenn die Unruhe plötzlich neu auftritt oder deutlich stärker wird als sonst.

Hinter einer plötzlichen Veränderung können zum Beispiel Schmerzen, ein Infekt, zu wenig Flüssigkeit oder neue Medikamente stecken. Das sollte ärztlich abgeklärt werden. Beruhigende Medikamente nur nach Absprache mit dem Arzt, denn sie haben bei älteren Menschen oft Nebenwirkungen.

Wie kann eine Betreuungskraft am Abend helfen?

Sie gibt dem Tag einen festen Rhythmus und ist da, wenn die Unruhe beginnt. Gerade das entlastet Familien am meisten.

Eine Betreuungskraft lebt mit im Haushalt. Sie geht vormittags mit Ihrem Angehörigen hinaus, kocht vertraute Gerichte, achtet aufs Trinken und begleitet das Abendritual. Ein vertrautes Gesicht am Abend schenkt Ruhe. Bei Demenz empfehlen wir gute bis sehr gute Deutschkenntnisse, damit Gespräche und beruhigende Worte gut gelingen. Medizinische Aufgaben übernimmt ein ambulanter Pflegedienst.

Wie eine Betreuung bei Demenz aussieht und wo ihre Grenzen liegen, erklären wir ausführlich auf unserer Seite Demenzbetreuung zu Hause.

Aus meiner Erfahrung

„Das Herz wird nicht dement.“ Auch wenn Erinnerungen verblassen, bleiben Nähe, Geborgenheit und das Gefühl, angenommen zu werden, sehr wichtig. Menschen mit Demenz spüren oft selbst, dass etwas nicht stimmt. Diese Angst kann Unruhe und Orientierungslosigkeit verstärken. Gerade dann braucht Ihr Angehöriger Halt: in der Familie, in Gegenständen, die ihm etwas bedeuten, in alten Fotoalben. Holen Sie ihn dort ab, wo er gerade steht.

Auch Sie als Familie brauchen Halt, und den gibt der Zusammenhalt. Sprechen Sie Veränderungen und Unruhe frühzeitig an, auch wenn das nicht leichtfällt, und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen: in der Familie, mit dem Hausarzt oder Neurologen und mit der Betreuungskraft. Holen Sie sich rechtzeitig ärztlichen Rat, um mögliche Ursachen abzuklären und zu besprechen, welche Unterstützung sinnvoll ist. Haben Sie dabei Geduld: Manche Behandlungen brauchen einige Wochen, bis sie wirken.

Zu diesem Zusammenhalt gehört auch die Betreuungskraft. Sie erlebt Ihren Angehörigen jeden Tag und merkt oft als Erste, wann die Unruhe beginnt und was guttut. Ihre Beobachtungen verdienen Gehör, auch im Gespräch mit dem Arzt. Und auch sie braucht Verständnis, Erholung und verlässliche Absprachen. Viele Betreuungskräfte haben selbst Familie zu Hause und trauen sich oft nicht zu sagen, wenn die Abende sie an ihre Grenzen bringen. Fragen Sie nach, wie es ihr geht.

Wenn alle offen miteinander sprechen und bei Bedarf weitere Hilfen dazukommen, etwa ein Pflegedienst, eine Tagespflege oder eine Beratungsstelle, entsteht für alle eine echte Entlastung.

Häufige Fragen zur Abendunruhe bei Demenz

Geht die Abendunruhe wieder vorbei?

Sie verändert sich mit dem Verlauf der Erkrankung. Oft zeigt sie sich vor allem im mittleren Stadium und wird später schwächer. Mit einem ruhigen Tagesablauf lässt sie sich in vielen Fällen deutlich lindern.

Ist die Unruhe im Winter stärker?

Viele Familien beobachten das. Wenn es früh dunkel wird, beginnt die Dämmerung früher. Helles Licht am Nachmittag und Bewegung im Tageslicht am Vormittag helfen dann besonders.

Was kann ich tun, wenn ich selbst nicht mehr kann?

Holen Sie sich Unterstützung, bevor Ihre Kraft aufgebraucht ist. Tagespflege, Verhinderungspflege oder eine Betreuungskraft im Haushalt können entlasten. Die Beratung bei uns ist für Sie kostenlos.

Damit Zuhause Zuhause bleibt.

Vessela Tentchev, Gründerin von Pflege Bavaria

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